Wildtiere als Touristenattraktion

Das grausame Geschäft mit Angst und Schmerz

Wilde Tiere sind aufregend. Auf Tuchfühlung gehen mit imposanten und fremden Lebewesen, die man häufig höchstens aus dem Zoo kennt – das verspricht ein besonderes Erlebnis zu werden. Deswegen gibt es in beliebten Urlaubsländern zahlreiche Angebote mit „niedlichen“, „kleinen“, „freundlichen“ Tieren. Dahinter steht aber in der Regel nur eines: Tierquälerei.
Grausamer Folter, Schmerzen, Angst und unzumutbare Lebensbedingungen gehören für Wildtiere, die als Touristenattraktionen herhalten müssen, zum Alltag. Damit Elefanten es zulassen, dass Touristen sie streicheln oder auf ihnen reiten, wird zuvor mit grausamsten Methoden ihr Wille gebrochen, sie werden gefügig gemacht und bleiben doch immer eine unberechenbare Gefahr. Auch Kamele werden häufig mit Schlägen „trainiert“, müssen stundenlang in der sengenden Hitze warten und schließlich lange Strecken laufen. Niedliche Löwenbabys zum Streicheln wurden zuvor häufig ihrer Mutter entrissen und zwangsweise vom Menschen aufgezogen. Damit für die Menschen keine Gefahr besteht, werden den Tieren dann auch mal Zähne oder Krallen entfernt oder sie werden mit Betäubungsmitteln ruhiggestellt. Rechtfertigt der kurze Moment, in dem Touristen Spaß haben, dieses Leid?

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Reisen ohne Tierleid

Worauf sollten Urlauber achten, um tierschutzkonform zu reisen?
© TASSO e.V. / Silke Steinsdörfer

Friedliche Begegnungen mit freilebenden Tieren aus sicherer Distanz können ein Höhepunkt auf Reisen sein.

Ferne Länder, exotische Abenteuer und eine aufregende Zeit – das wünschen sich viele Urlauber, wenn sie auf Reisen gehen. Sie möchten Ungewöhnliches entdecken und in fremde Kulturen eintauchen. Leider begegnen Touristen auf ihren Reisen aber auch zahlreiche Angebote, die für Tiere großes Leid bedeuten. Doch worauf müssen wir bei unseren Urlauben achten? Was sollten wir meiden, wenn wir möglichst tierfreundlich reisen möchten? Petra Zipp, bei TASSO zuständig für den Auslandstierschutz, gibt in unserem Interview einige Tipps und Anregungen.

TASSO: Petra, tierschutzkonform reisen, was bedeutet das?

Petra Zipp: Das bedeutet für mich, dass man auf seiner Reise auf vermeintliche Attraktionen mit Tieren verzichtet, für die Tiere gequält werden und leiden müssen. Und sich bewusst schon bei der Buchung für ein Hotel und Reiseprogramm ohne Tierquälerei zur eigenen Erheiterung entscheidet.

Ist das wirklich ein so großes Problem?

Ja, leider ist es immer noch gerade in ferneren Ländern üblich, Touristen mit tierischen Attraktionen zu locken. Vielerorts wird beispielsweise angeboten, dass Reisende auf Elefanten reiten oder Wildtiere streicheln können. Häufig im Angebot sind auch immer noch Shows mit Delfinen, Orcas, Affen, Elefanten und Großkatzen. Zum Teil werden die Tiere dafür einfach aus der Wildnis gefangen, unter tierschutzwidrigen Bedingung gehalten, mit gewaltsamen Methoden gefügig gemacht und dressiert. Zum Beispiel werden Elefanten „gezähmt“, indem sie gefesselt und so lange mit Stöcken geschlagen werden, bis ihr Widerstand gebrochen ist und sie sich ihrem Schicksal willenlos ergeben. Auch Stierkämpfe sind leider in einigen Ländern immer noch im Veranstaltungsprogramm zu finden. Kutschfahrten, strapaziöse Reitausflüge mit Pferden, Eseln und Kamelen oft in größter Hitze sollten nicht gedankenlos gebucht werden. Auch der Besuch eines Hunderennens in Irland fördert das Leid der Tiere.

Hast Du einen Tipp, was jeder Einzelne tun kann?

Zunächst natürlich auf die entsprechenden Angebote verzichten. Erst, wenn die Anbieter merken, dass kein Interesse an ihren tierquälerischen „Attraktionen“ besteht, wird sich etwas ändern. Darüber hinaus sollten sich Reisende schon bei der Buchung ihres Urlaubs informieren und am besten nur Reiseveranstalter auswählen, die solche Angebote nicht im Programm haben. Natürlich ist es wichtig, den Reiseveranstaltern das auch mitzuteilen. Wenn sie erfahren, dass gerade dieser Verzicht sie für Urlauber attraktiv macht, werden sie solche Angebote auch in Zukunft bewusst meiden. Viele Veranstalter dokumentieren den Verzicht bereits in ihren Reiseangeboten. Am Urlaubsort sollten Touristen auch auf die Speisen achten, die ihnen angeboten werden. Das Fleisch der Tiere kommt häufig nicht aus tierschutzkonformer Haltung und nicht immer isst man wirklich das, was man erwartet. Der Hundefleischverzehr ist in einigen asiatischen Ländern leider immer noch an der Tagesordnung. Am tierfreundlichsten und sichersten wäre es natürlich, ganz auf Fleisch zu verzichten.

Macht ein Urlaub denn überhaupt noch Spaß und bietet Erholung, wenn auf so vieles verzichtet werden muss?

Natürlich! Gerade in fernen Ländern bietet die für uns fremde Kultur doch jede Menge zu entdecken und zu bestaunen. Eine atemberaubende Landschaft zu genießen geht auch, wenn man nicht auf dem Rücken eines Tieres hindurchreitet, das dafür brutal „gezähmt“ worden ist. Natur und Menschen haben so viel zu bieten, da muss man wirklich auf nichts verzichten. Und natürlich macht alles gleich noch mal so viel Spaß, wenn man weiß, dass kein Tier dafür leiden muss. Außerdem gibt es ja auch häufig die Gelegenheit, friedliche Begegnungen mit frei lebenden Tieren zu haben oder diese aus angemessener Distanz ohne Störungen zu beobachten. Und wer unbedingt Kontakt zu Tieren haben möchte, kann sich auch bei seriösen Tierrettungs- oder Hilfsaktionen vor Ort engagieren, sie besuchen und ihre Arbeit unterstützen. Sinnvoll ist es natürlich, sich bereits zu Hause gründlich über Einrichtungen vor Ort zu informieren, die man dann auch bei einem tierischen Notfall kontaktieren kann.

Vielen Dank für Deine Zeit, Petra. Wir hoffen, dass viele Menschen in diesem Sommer möglichst tierfreundlich verreisen.

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